Duale Berufsausbildung – ein Erfolgsmodell

Duale Berufsausbildung - ein ErfolgsmodellProf. Dr. Ute Clement am 21.10.2013 Berlin

Am 21. Oktober 2013 lud die Friedrich Ebert Stiftung (FES) eine Vielzahl von Berufsbildungsexpertinnen und -experten nach Berlin zur Fachkonferenz „Duale Berufsausbildung – Auslaufmodell oder Exportschlager?“ ein. Für den BLBS nahm der stellvertretende Bundesvorsitzende, Stefan Nowatschin, teil.

„Reformperspektiven der beruflichen Bildung“

Im Zentrum der Diskussion stand eine Expertise „Reformperspektiven der beruflichen Bildung“ von Prof. Dr. Marius Busemeyer. Das Hamburger Ausbildungsmodell und u.a. auch die dänischen und niederländischen Ausbildungsmodelle bildeten die Grundlage für seine vorgestellte Expertise. Die von Prof. Busemeyer skizzierten Reformperspektiven wurden in einer ersten Podiumsrunde von Prof. Dr. Gerhard Bosch und abschließend durch Prof. Dr. Ute Clement wissenschaftlich kommentiert. Prof. Clement wies in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass der öffentlichen Diskussion und auch den einstellenden Betrieben eine besondere Verantwortung für die Integration einer heterogenen Generation von Schulabgängern in den Arbeitsmarkt zukommt. Werde man dieser Verantwortung in den kommenden Jahren nicht gerecht, dann könne eine Mischung aus der demografischer Entwicklung, einem veränderten Bildungswahlverhalten der Jugendlichen und einem betrieblichen Rückzug aus der Ausbildung dazu führen, dass das duale System mindestens in Teilbereichen erheblich an Bedeutung einbüßt.

Film

Im Rahmen der Fachtagung wurde ein Film vorgeführt mit dem Titel: „Jeder wird gebraucht –Gelungene Einstiege und prekäre Übergänge“, eine Filmproduktion von Renate Teuchler, der im Auftrag der FES erstellt wurde. Wer diesen lohnenswerten Film ebenfalls anschauen möchte, findet ihn hier.

Diskussionsrunde

„Vorbild, Modernisierungsbedarf oder Umbau – Zukunft der dualen Berufsausbildung“ lautete der Titel der Diskussionsrunde, bei der auf dem Podium die Bildungsexperten des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und Prof. Dr. Busemeyer ihre Positionen austauschten. Die Herausforderungen der demografischen Entwicklungen – Sicherung des Fachkräftebedarfs, der verstärkten Integration von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und der Bereich Inklusion verlangen besondere Lösungen. Der stellvertretende Bundesvorsitzende des BLBS, Stefan Nowatschin, ergänzte, dass die digitalen Lebens- und Arbeitswelten schon jetzt und in der Zukunft eine besondere Herausforderung seien. Alle genannten Herausforderungen werden bzw. können von den berufsbildenden Schulen bei verbesserter Ressourcenausstattung geleistet werden.

Kooperationsverbot

Stefan Nowatschin, Schulleiter eines niedersächsischen regionalen Kompetenzzentrums - BBS I Uelzen - , merkte an, dass Prof. Busemeyer bei seiner Expertise den Blick nicht nach Niedersachsen gerichtet hätte. Der Schulversuch „Projekt Regionale Kompetenzzentren“ (ProReKo) und die seit 2011 erfolgreich agierenden regionalen Kompetenzzentren seien nicht berücksichtigt worden. Die gewünschte Qualität in der dualen Berufsausbildung sei hier hoch ausgebildet. Mit der o. a.  verbesserten personellen und sächlichen Ressourcenausstattung könnten die erfolgreiche duale Berufs-ausbildung weiterentwickelt und auch in Zukunft gesichert werden. Die Kommunen, als Schulträger, und die Bundesländer, zuständig für das Personal, müssten in die Bildung verstärkt investieren. Leider verhindere der Sparzwang diese notwendigen Bildungsinvestitionen. Im Bereich der beruflichen Bildung würden die Lehrpläne und Ausbildungsordnungen auf Bundesebene beschlossen, jedoch beteilige sich der Bund nicht an den damit verbundenen Kosten. Bund, Länder und Kommunen stünden damit in gemeinsamer Bildungsverantwortung und sollten auch ein gemeinsames Finanzierungspaket schnüren, damit die notwendigen Investitionen in die berufliche und allgemein bildende Bildung realisiert werden könnten. Der Vize-Präsident des BIBB, Prof. Dr. Reinhold Weiß, teilte diese Ansicht und verwies auf die politische Notwendigkeit, dass das Kooperationsverbot geändert werden müsse. Bund, Länder und Kommunen sollten gemeinsam die notwendigen Investitionen tätigen können.

Antworten

Die Antworten auf die Frage: „Duale Berufsausbildung - ein Exportschlager?“ fielen eher skeptisch aus. In den Krisenländern fehlen vielfach die notwendigen sozialpartnerschaftlichen Strukturen. Die Unternehmen und die Betriebe in den Krisenländern erkennen noch nicht oder erst selten, warum sie in die berufliche Grundausbildung selbst und solidarisch investieren sollten. Die dualen Berufsbildungsländer wie Österreich, die Schweiz und wir in Deutschland können als Berater lediglich weiter versuchen, über die Vorzüge des Erfolgsmodells „Duale Berufsausbildung“ zu informieren.